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Der Irish Terrier: sein Wesen, sein Charakter, seine Eigenschaften

Verwendung des Irish Terriers

Terrier haben ihren Namen von dem lateinischen Wort „terra“, das „Erde“ bedeutet. Terrier jagen, indem sie in die Erde graben, um Nagetiere, Dachse, Füchse, Hasen oder andere kleine Tiere zu fangen. Der Irish Terrier verfügt über ausgezeichnete Jagdfähigkeiten und hat ein starkes Verlangen, Raubzeug aufzuspüren und zu eliminieren. Er jagt sich schnell bewegende Tiere, ohne darauf zu achten, wohin ihn die Jagd führt – nicht falsch verstehen: der Irish hat keinen übertriebenen oder schwer zu kontrollierenden Jagdtrieb wie z.B. ein Deutscher Jagdterrier oder Parson Russell Terrier.

 

Man kann den Irish Terrier als Allrounder bezeichnen, denn nie wurde er nur für eine Arbeit, für einen Zweck gezüchtet wie z. B. der Foxterrier oder der Yorkie. Der Irish war der Hund der irischen Bauern, die ihn mit zur Jagd nahmen, der Haus und Hof bewachen musste, der Raubzeug fing und der aber auch liebevoller Spielkamerad der Kinder und Freund der Menschen war. Und so wurde er auch mit der Zeit wegen seines unvergleichlichen Wesens zum Liebling irischer Gentlemen.

Irish Terrier sind aufmerksame Wachhunde, die ihre Besitzer vor Neuem warnen. Der Irish neigt dabei nicht zum unkontrollierten Bellen. Er schlägt dann an, wenn wirklich „was los“ ist. Irish Terrier sind exzellente Familien- und Begleithunde, wenn sie früh sozialisiert und mit Artgenossen vertraut gemacht werden –  dies macht sie zu wunderbaren Weggefährten.

Sie eignen sich am besten für Familien, in denen tagsüber jemand zu Hause ist. Sie sind nicht sonderlich aktiv, eher sogar unauffällig im Haus und sind glücklich, wenn sie einfach nur dabeisein können. Sie genießen es, mit ihren Menschen zu entspannen, aber sie brauchen auch Bewegung in Form von Spaziergängen im Wald und auf der Wiese bzw. ausreichend Auslauf in einem sicher eingezäunten Bereich. Eine Zwingerhaltung ist für einen Irish absolut tabu!

 

Eigenschaften des Irish Terriers

Wegen seiner vielfältigen Aufgaben wurde an einem Irish Terrier nichts extrem gezüchtet, so dass er bis heute eine ausgewogene Figur mit normalen Extremitäten sowie gesunde körperliche Eigenschaften bewahrt hat, die mittlerweile leider vielen modernen Rassehunden fehlen. Er hat eine anmutige, flüchtige Silhouette mit einem etwas längeren Rücken als andere hochbeinige Terrier. Der Irish sollte ein Bild von Kraft und Eleganz vermitteln.

Der Irish Terrier ist eine Rasse mit unverwechselbarem Aussehen und eigenständiger Persönlichkeit. Seine Größe ist ideal: Am oberen Ende der Schulter etwa 46 cm groß, reicht der Irish knapp bis zum menschlichen Knie. Er ist also genau zwischen der Größe eines Fox Terriers und eines Airedale Terriers.
Obwohl dieser Hund groß genug ist, um robust zu sein, ist er klein genug, um ein Haustier zu sein und leicht im Auto transportiert werden zu können. Die drahtige, goldrote Doppelbehaarung der Irish Terrier schützt sie bei jedem Wetter und in jedem Gelände.

Weitere Eigenschaften, die man den Irish Terriern zuschreibt und die wir auch bestätigen können, sind ihre Eignung als Hunde für Allergiker. Wir haben schon einige Welpen (nach vorherigem ausgiebigem Test bei uns) in solche Haushalte abgegeben und können unisono sagen, dass Irish Terrier für Allergiker geeignet sind (Ausnahmen bestätigen wahrscheinlich die Regel).

 

Charakter des Irish Terriers

Der Irish Terrier gilt als der rote Draufgänger (Red Daredevil) in der Terriergruppe (leider hält sich dieses Vorurteil immer noch sehr hartnäckig). Ein Irish ist immer bereit, sich einem anderen Hund zu stellen, wenn er provoziert wird. Genauso gut und zutraulich geht er aber auch mit Menschen um, die ihm freundlich begegnen. Es kann stur sein, aber tief im Innersten sind die Irish Terrier eine sensible Rasse, die wirklich den Menschen gefallen will. Mit seinem natürlichen Witz, einzigartigem Charme und seiner Zuneigung ist der Irish ein wunderbarer Gefährte, ist stets loyal zu seiner Familie und immer bereit, diejenigen zu beschützen, die er liebt. Irish Terrier vergöttern Kinder und sind tolle Spielkameraden, besonders wenn sie mit ihnen aufgewachsen sind.

 

Irish Terrier haben ihren ganz eigenen Charakter, der sich wohl mit keiner anderen Hunderasse vergleichen lässt: Auf der einen Seite können sie sehr dominant, rabaukig, aufdringlich, dickschädelig und mutig sein, auf der anderen Seite sind sie aber auch hoch sensibel, verspielt, beschützend, ruhig, ausgeglichen und eine Seele von Hund. Und dabei hat wiederum jeder einzelne seinen ganz eigenen Charakter. 

 

Während des Ersten Weltkrieges wurden die Irish als Botenhunde im Kriegseinsatz geführt. Lt. Col. EH Richardson von der British War Dog School schreibt über den Irish Terrier: „Ich kann mit aller Entschiedenheit sagen, dass die irischen Terrier ihren Dienst mehr als erfüllt haben. Viele Soldaten leben heute nur durch den Einsatz einer dieser Terrier. Meine Meinung über diese Rasse ist in der Tat sehr hoch. Irish Terrier sind hochsensible, temperamentvolle Hunde, aus robustem Metall geschmiedet. Sie sind außerordentlich intelligent, treu und ehrlich. Und einem Mann, der einen von ihnen als Begleiter hat, wird nie ein wahrer Freund fehlen“.

Temperament und Wesen des Irish Terriers

Ursprünglich gezüchtet, um Ungeziefer auf den irischen Farmen zu bekämpfen, war der Irish Terrier auch der Wächter von Haus und Familie. Das Motto der Irish Terrier lautet daher „Keine Angst“. Um in ihrem Umfeld zu funktionieren und um ihrer Arbeit nachgehen zu können, mussten sie intelligent, unabhängig, mutig, gleichzeitig aber sanft zu Menschen sein. Der moderne Irish Terrier bleibt im Herzen ein Rattenfänger. Seine Unabhängigkeit und sein Mut tragen sicherlich zu seiner Attraktivität bei; ein potenzieller Besitzer muss jedoch verstehen, dass der Irish Terrier ein großer Hund in einem relativ kleinen Körper ist. Neue Besitzer eines Irish Welpen müssen entsprechend dafür sorgen, dass eine frühzeitige und beständige Sozialisierung und Ausbildung erfolgt. So kann der wundervolle, kauzige, irische Charakter erhalten bleiben und man bekommt einen liebevollen Freund, Begleiter und gut erzogenen Hund.

Der Irish ist lebhaft und stets loyal, immer auf der Hut und bereit, sich um alles zu kümmern, was ihm in den Weg kommt und seine Menschen und sein Zuhause bedroht. Irish Terrier lernen leicht, aber jedes Training muss mit ihrem unabhängigen, eigensinnigen Geist vereinbar sein. Wenn der Irish denkt, dass Training sei seine Idee, wird man einen glücklichen Arbeitshund bekommen, der alle gesteckten Ziele erfüllt oder gar übertrifft.

Der Irish Terrier ist facettenreich und sicherlich nicht die einfachste Rasse. Ob er mit seinem ganz eigenen Temperament und Wesen zu dir passen könnte, erfährst du recht schnell in unserem „Schnell-Check“.

Der Irish Terrier mit anderen Tieren

Irish Terrier können lernen, mit Katzen auszukommen, wenn sie mit ihnen als Welpe aufgewachsen sind, aber sie sind möglicherweise nicht 100% verlässlich bei kleineren Haustieren wie Mäusen, Ratten und Hamstern. Ihr Terrierinstinkt, diese Gattung zu jagen, kann wohlmöglich stärker sein als ihre gute Erziehung ...

 

Irish sind nicht besonders einfach mit anderen Hunden. Besonders gegenüber Hunden des gleichen Geschlechts haben sie ihre Probleme und scheuen dann auch nicht vor einer Herausforderung zurück. Da sie furchtlos sind, nehmen sie es mit Hunden auf, die viel größer sind als sie selbst, ohne an die Konsequenzen zu denken. Der frühe Besuch einer guten Hundeschule lässt einen Irish Terrier Welpen deutlich gemäßigter im Umgang mit Artgenossen werden. Die Welpen, die wir behalten und die bei uns groß werden, kommen von klein auf am Strand hinter unserem Haus am Atlantik mit gut sozialisierten Artgenossen in Kontakt und lernen so, dass andere Hunde nett und freundlich sein können und dass man mit ihnen viel Spaß beim gemeinsamen Rennen und Spielen haben kann.

 

Der Irish Terrier als Familienhund

Ist der Irish ein guter Familienhund?, werden wir oft gefragt von Menschen, die die Rasse noch nicht genau kennen. Wir können uns in Bezug auf seine tiefe Menschenliebe keinen besseren Familienhund vorstellen. Er ist hoch intelligent, versteht, Situationen korrekt einzuschätzen, beschützt seine Familie, macht jeden Scheiß mit (uuups, sorry für die Ausdrucksweise, aber wenn’s doch so ist ...), ist sportlich unterwegs, ist geduldiger Freund und Zuhörer, tröstet und weicht nicht von der Seite, wenn es einem Familienmitglied einmal schlecht geht. Nicht umsonst wird er auch gerne als Therapie-, Schul- oder Seniorenheim-Hund eingesetzt. Zudem gehen sie liebevoll und fast schon vorsichtig mit einem Baby um, das neu in die Familie kommt. Hier werden ihre intensive Menschenbindung und ihr Beschützerinstinkt evident.

Die Eigenschaften aggressiv, nervös, verdreht, arrogant oder menschenscheu sind dem IrishTerrier fremd. Sie bellen auch nicht viel und nur dann, wenn sie denken, dass es sein muss. Dauerkläffer sind sie keineswegs, solange sie gefordert werden und Teil der Familie sein dürfen. Für einen Zwinger sind diese intelligenten Tiere, wie schon gesagt überhaupt nicht geeignet. Hier verkümmern sie und drehen am Rad. Nein, Irish Terrier fühlen sich gerade in einer aktiven Familie pudelwohl. Und je abwechslungsreicher es dort zugeht, umso lieber ist ihm das.

Der Irish Terrier als Anfängerhund

„Mein Gott, ein Terrier! Habt ihr euch das gut überlegt? Muss das sein?“ Immer wieder treffen Menschen, die sich dazu entschlossen haben, die wunderbarste Rasse der Welt in ihre Familie aufzunehmen, auf tradierte Vorurteile: Energiebündel, Rakete, nicht zu bändigen, Kläffer, nervös, schwer erziehbar, kann nicht alleine gelassen werden, demoliert die ganze Inneneinrichtung, stur wie ein Stück Holz, jagt ohne Ende, geht keinem Kampf aus dem Weg, dominiert und schikaniert die ganze Familie ... 

Alles Blödsinn. Der Irish ist in der Tat ein Terrier. Aber eben dann doch nicht wie „ein Terrier“ (die meisten Menschen haben dabei den Parson Russell, den Fox Terrier oder den Deutschen Jagdterrier im Sinn, die zurecht immer noch als recht anstrengend und schwierig gelten). Die Vorurteile halten sich hartnäckig gerade in Bezug auf Temperament und Erziehbarkeit. Besonders in Hundeenzyklopädien oder auf allgemeinen Informationsportalen, bei denen die Redakteure einfach immer nur aus alten Büchern kopieren, ohne sich vom aktuellen Stand ein eigenes Bild zu machen.

Bis in den 80er Jahren traf das ein oder andere sicherlich auch auf den Irish zu. Dank des Einsatzes von gemäßigten Hunden und die Selektion auf Familientauglichkeit, hat man das Temperament des Irishs auch deutlich nach unten schrauben können. Heute haben wir mit dem Irish einen ausgeglichenen, menschenbezogenen und sozialen Familienhund, der allerdings immer noch eine gehörige Portion Energie, einen teils eigenwilligen Kopf und eine große Freude an einem aktiven Leben hat.

Wenn der „Anfänger“ sich in diesem letzten Satz wiederfindet, dann ist der Irish auch als Anfängerhund geeignet. Die Erziehung, die Stubenreinheit, die Sozialisierung mit Artgenossen, das Vertrautmachen mit dem Leben außerhalb und das Bonding zu seiner Familie, die Welpenschule, all das, muss man mit jedem Welpen, egal welcher Rasse, machen. In der Regel gelingt dies auch ohen größere Probleme, solange man den Irish Terrier liebevoll aber konsequent erzieht und ihm ganz klar die Grenzen zeigt, was er darf und was nicht.

Der Irish Terrier ist ein Goldstück!

Wenn ihr also nach einem vielseitigen, aktiven, mutigen, menschenbezogenen Hund sucht, der auf Eure Familie viele Jahre aufpassen wird, könnte der Irish Terrier die Rasse für Euch sein. Er gehört Gott sei Dank nicht zu den populären Rassen (nur ca. 400 Welpen pro Jahr in Deutschland), daher kann es schwierig sein, adhoc einen guten Züchter mit Welpen zu finden. Bringt etwas Geduld für eine Warteliste mit und evtl. müsst ihr auch einen leicht höheren Preis zahlen als für eine populärere Rasse (die Welpenpreise liegen in Deutschland seit Corona und dem Urteil des Finanzgerichts Münster zwischen 1.800 und 3.000 Euro – Unsere Gedanken zum Thema Welpenpreis findet ihr hier). Und wenn ihr dann Euren „besten Hund der Welt“ erst einmal habt, werdet ihr sehr schnell feststellen, dass der Irish jeden Cent wert ist. Versprochen! Genauso wie Jack London schrieb: „... du bist Gold, reines Gold, innen und außen, und kein Hund auf der ganzen Welt kann sich mit dir messen. Du hast ein Herz von Gold, du goldener Hund ...“ 

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